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Denn wenn man nicht am Tisch sitzt, steht man auf der Speisekarte

Kanadas Premierminister Mark Carney griff diese Redewendung in seiner Rede auf – beim World Economic Forum in Davos am 20. Januar 2026, als er über den Bruch in der internationalen Ordnung und die Rolle von Mittelmächten sprach.

 

Weltpolitik oder Marketing: Wer nicht mitgestaltet, wird gestaltet

Carneys Kernbotschaft: Die alte, verlässlich regelbasierte Ordnung trägt weniger als früher – Machtpolitik, wirtschaftlicher Druck und neue Abhängigkeiten rücken in den Vordergrund. Für kleinere und mittlere Staaten heißt das: Allianzen aktiv formen, Interessen sichtbar machen, Verhandlungsmacht aufbauen – sonst werden Entscheidungen über sie getroffen, nicht mit ihnen.

Dass das nicht abstrakt ist, zeigen die aktuellen Spannungen rund um Handel, Sicherheit und Einflusszonen. In diesem Umfeld wird „am Tisch sitzen“ zur Sicherheitsfrage: Präsenz, Partnerschaften, Positionierung.

 

Marketing: Die Redewendung gilt auch hier – nur ist das Spielfeld primär digital

Was geopolitisch gilt, trifft Unternehmen im Markt genauso: KI, Plattformlogiken, Automatisierung und verändertes Suchverhalten verschieben die Regeln schneller als viele Planungszyklen. Wer passiv bleibt, wird im digitalen Wettbewerb nicht „übersehen“ – sondern von anderen überholt, verdrängt oder austauschbar gemacht.

Am Tisch sitzen“ bedeutet im Marketing heute vor allem:

  • Aktiv Nachfrage zu gestalten (statt nur auf sie zu reagieren)
  • Daten- und Sichtbarkeitsräume zu besetzen (Search, Ads, Social, AI-Antwortsysteme)
  • Marke und Angebot so zu strukturieren, dass Menschen und Systeme sie verstehen, einordnen und bevorzugen

Kurz: Nicht warten, bis der Markt einen einsortiert – sondern selbst die Kategorie, Sprache und Relevanz definieren.

 

Ein Satz, viele Zuschreibungen – und ein klarer Punkt

Die Redewendung wird häufig Ann Richards (ehem. Gouverneurin von Texas) zugeschrieben und ist seit den 1990ern weit verbreitet. Gleichzeitig ist die genaue Urheberschaft nicht eindeutig belegbar – es kursieren mehrere frühe Verwendungen und Zuschreibungen. Unabhängig davon bleibt die Bedeutung eindeutig: Wer nicht Teil der Entscheidungen ist, wird zum Gegenstand der Entscheidungen. In der Weltpolitik wie im Marketing ist das keine belanlose Redewendung mehr – sondern eine Handlungsaufforderung.

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